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Abfälle und Wertstoffe

7.1.  Entsorgung

  Auf dem Gebiet der kommunalen Abfallwirtschaft hat es in der Stadt Halle (Saale) seit 1990 wesentliche Veränderungen gegeben. Der sprunghafte Anstieg des Abfallaufkommens nach der politischen Wende und die neuen gesetzlichen Grundlagen erforderten zuerst den Aufbau eines funktionierenden Abfallentsorgungssystems. Dies erfolgte bis zum 31. Dezember 1993 hauptsächlich durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Abfallwirtschaft, die seit 1994 als Teil des Umweltamtes tätig sind.

Die Grundlage für das abfallwirtschaftliche Handeln der Stadtverwaltung bildete das vom Stadtrat am 14. Juni 1995 beschlossene Abfallwirtschaftsprogramm. Dieses Programm wurde auf Basis des vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen e. V. erarbeiteten Abfallwirtschaftskonzeptes der Stadt Halle (Saale) von 1992 erstellt.
Darin wurde festgelegt, welche Schritte zu unternehmen sind, um dem Ziel des Landesabfallgesetzes - Abfallvermeiden vor Abfallverwerten und Entsorgen - gerecht zu werden. Bis zum Jahr 2000 wurden gemäß dem Abfallwirtschaftsprogramm folgende grundlegenden abfallwirtschaftlichen Ziele umgesetzt:
  • stärkere Abfallvermeidung über zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit
  • konsequente Abfalltrennung über die Durchsetzung der in der Abfallwirtschaftssatzung festgeschriebenen Trennpflicht
  • Bau von Anlagen und Einrichtungen, die eine konsequent umweltgerechte Entsorgung gemäß den Bestimmungen der Technischen Anleitung (TA) Siedlungsabfall ermöglichen.


Im Jahr 2002 wurde unter Berücksichtigung der Abfallwirtschaftspläne ein Abfallwirtschaftskonzept für die Stadt Halle (Saale) durch den Bereich Entsorgung erarbeitet, welches 2015 aktualisiert fortgeschrieben wurde. Dieses beinhaltet eine Übersicht zum Stand der öffentlichen Abfallentsorgung. Darin finden sich unter anderem Angaben über Art, Menge und Verbleib der im Entsorgungsgebiet anfallenden Abfälle und Aussagen über getroffene und geplante Maßnahmen zum Vermeiden und Verwerten der einzelnen Abfallarten. Mit dem neuen Abfallwirtschaftskonzept werden die Weichen für die kommunale Abfallwirtschaft in den nächsten Jahren gestellt. Das Abfallwirtschaftskonzept für die Stadt Halle (Saale) steht zum Download bereit.

Verpackungsabfälle
Seit 1992 werden in der Saalestadt Verpackungsabfälle mit dem Grünen Punkt aus Haushalten getrennt gesammelt. Dafür richtete das Umweltamt gemeinsam mit der Wertstofferfassung- und Recycling GmbH (Vertragspartner der Dualen System Deutschland AG) im gesamten Stadtgebiet zentrale Standplätze für Wertstoffcontainer ein. Die Sammelcontainer für Braun-, Grün- und Weißglas, für Pappe und Papier sowie für Leichtverpackungen aus Kunst- und Verbundstoffen und/oder Metall fanden bei den Bürgern regen Zuspruch. Bis Ende 2000 konnte im gesamten Stadtgebiet ein flächendeckendes Netz von über 300 Wertstoffcontainerplätzen geschaffen werden.

Ein im Frühjahr 1993 durchgeführter Pilotversuch zum haushaltsnahen Einsammeln von Leichtverpackungen mittels Gelber Tonne erbrachte die vierfache Sammelmenge im Vergleich zu den in den zentralen Wertstoffcontainern erfassten Verpackungen aus Kunststoff, Verbundstoff und Metall. Es wurde deutlich, dass bei Leichtverpackungen das Einsammeln über das Holsystem von den Bürgern wesentlich besser angenommen wird. Aus diesem Grunde wurde dieses System kontinuierlich ausgebaut, wobei die flächendeckende Ausstattung aller Wohngrundstücke bis Ende 1997 abgeschlossen war.

In den meisten Randgebieten der Stadt wurde im Herbst 1995 die Papierbündelsammlung eingeführt. Diese Maßnahme ersparte den Bürgern weite Wege zu den zentralen Wertstoffcontainerplätzen, deren Standplatzdichte gerade in den Randgebieten nicht optimal war. Das zusätzliche Entsorgungsangebot fand bei den Bürgern einen guten Anklang.
Um die Menge an eingesammeltem Papier weiter zu erhöhen, wurde im Herbst 1996 im Wohngebiet Heide-Nord die Papiererfassung über die Blaue Tonne erprobt. Aufgrund der positiven Resonanz wurden bis Ende 1998 zunächst in allen dichtbebauten Wohngebieten Blaue Tonnen aufgestellt, später dann flächendeckend im Stadtgebiet. Folgerichtig wurden nach einer Übergangsphase die Papiercontainer von den Wertstoffcontainerplätzen abgezogen.

Bioabfälle
Ab November 1993 gab es einen Testlauf zur Akzeptanz für das Aufstellen von Biotonnen. In drei Stadtteilen mit insgesamt 50.000 Einwohnern wurden zunächst Biotonnen aufgestellt. Das durchschnittlich erzielte Sammelergebnis während der Versuchsphase lag bei 30 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Dieses Ergebnis zeigte deutlich, dass zur weiteren Reduzierung des Restmüllanteils eine separate Erfassung von organischen Abfällen erforderlich war. Deshalb wurden bis zum Ende 1995 im gesamten Stadtgebiet die Biotonnen flächendeckend aufgestellt. Ausnahmen auf Antrag gibt es nur dort, wo die Bewohner auf dem Anfallgrundstück die Möglichkeit haben, selbst zu kompostieren.
Seit dem Jahr 1996 liegt das Pro-Kopf-Aufkommen der eingesammelten Menge Bioabfall zwischen 30 und 40 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Insgesamt nutzen 90 Prozent der Hallenser die Biotonne. Die übrigen Einwohner kompostieren ihre organischen Abfälle selbst und sparen somit Müllgebühren.

Wertstoffmärkte
Seit Mitte des Jahres 1994 haben die Bürger der Stadt Halle (Saale) die Möglichkeit, Schadstoffe, Sperrmüll, Elektronikschrott, Schrott, Kühlschränke, Verpackungen und Grünschnitt selbst auf dem Wertstoffmarkt der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH Halle in der Äußeren Hordorfer Straße 12 anzuliefern. Somit können die Bewohner der Saalestadt auch außerhalb der existierenden Touren für Sperrmüllabholung und Schadstoffeinsammlung eine umweltgerechte Entsorgung vornehmen. Weitere Wertstoffmärkte gibt es seit 1998 in der Äußeren Radeweller Straße 15 und seit 1999 in der Schieferstraße 2.

Elektronikschrott
Eine Erweiterung des Entsorgungsangebotes erfolgte im Jahr 2014. Im Januar wurde das Augenmerk auf die Einsammlung von Elektronikschrott gerichtet. Sowohl Studien wie auch die Erfahrungen der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH zeigten, dass immer noch ein großer Anteil Elektronikschrott durch die Bürger mit dem Restmüll (in der grauen Tonne) entsorgt wird. Aus diesem Grund wurde ein Pilotprojekt gestartet, das die Entsorgung von Elektrokleingeräten wie z. B. Bügeleisen, Eierkocher, Föhn, Handy, Mixer, Radio, Kaffeemaschine, Rasierer, Telefon, PC-Zubehör, MP3-Player, Elektro-Werkzeug o.ä. zusätzlich über Spezialcontainer ermöglicht.

Ziel ist es, durch die Stellung von Behältern auf einigen Wertstoffcontainerplätzen den Anteil an Elektro-Altgeräten im Restmüll zu vermindern. So sinkt einerseits die Restmüllmenge insgesamt und andererseits wird die Umwelt durch eine Rückführung der Elektro-Altgeräte in den Wertstoffkreislauf entlastet. Durch die Sammlung können die Mengen nachhaltig gesteigert werden. Eine dezentrale, flächendeckende Erfassung über Depotcontainer ist bürgerfreundlich und leistungsfähiger als das bestehende System. Gesetzliche Forderungen zu Sammelmengen, Sammelquoten sowie zu Rückgabemöglichkeiten können erfüllt werden.

Schadstoffe
Zur Entsorgung von schadstoffhaltigen Abfällen aus Haushalten der Stadt Halle (Saale) fährt seit Mai 1992 ein Schadstoffmobil nach einem festgelegten Tourenplan und Standortnetz, an dem man Schadstoffe in kleinen Mengen abgeben kann.

Restmüll
Im Rahmen des Pilotversuches "Müllschleuse" wurde im Halle-Neustädter Wohngebiet Rennbahnviertel vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 1999 die Möglichkeit getestet, durch das Vermeiden und Trennen von Abfall Geld zu sparen. Die erzielten Ergebnisse waren allerdings ernüchternd. Der Anteil von illegal entsorgtem Müll stieg rapide an, der Inhalt der Gelben Tonnen war für eine weitere Verwertung nicht mehr geeignet und auch der Verwaltungsaufwand verursachte unzumutbare Kosten. Aus Sicht des Fachbereiches Umwelt funktioniert der Einsatz von Müllschleusen nur dann, wenn die Mehrzahl der Bewohner diszipliniert mitwirkt und die Wertstoffe und der Restmüll sauber getrennt werden.

Sperrmüll
Bis zum Jahr 2000 konnten die Bürger der Saalestadt jährlich zweimal ihren Sperrmüll vor der Haustür zur Abholung bereitstellen. Aufgrund der gesunkenen Sperrmüllmenge und wegen Kosteneinsparungen wurde der Sperrmüll ab 2001 nur noch einmal im Jahr abgeholt. Mit Beginn des Jahres 2005 wurde die Sperrmüllentsorgung für Privathaushalte im Stadtgebiet von Halle (Saale) von der bis dahin praktizierten gebietsweisen Straßeneinsammlung auf eine Abholung auf Bestellung mittels Abrufkarte umgestellt. Die Vereinbarung eines Wunschtermins ist gegen Gebühr möglich.

Die wichtigste Zielvorgabe dieser Systemänderung war es, die teilweise übergroßen Sperrmüllberge mit den daraus resultierenden negativen Folgen einzudämmen. So kam es während der gebietsweisen Einsammlung immer wieder zu Verunreinigungen und Behinderungen auf Gehwegen und angrenzenden Fahrbahnen. Außerdem wurden im Rahmen der Sperrmüllaktion auch regelmäßig Grünflächen in Mitleidenschaft gezogen. Weitere Probleme bereitete die Zunahme des organisierten Durchsuchens des Sperrmülls nach brauchbaren, verkäuflichen Gegenständen.


letzte Änderung: 26.11.2016

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