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Natur- und Landschaftsschutz / Landschaftsrahmenplan Teilfortschreibung

4.2.4.  Ökologisches Biotopverbundsystem (ÖVS)

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  Hinweis: Der Landschaftsrahmenplan im Land Sachsen-Anhalt ist anders als in manchen anderen Bundesländern kein in einem Beteiligungs- und Abwägungsverfahren abgestimmter verbindlicher Plan, sondern als beratender Fachplan zu verstehen. Die im LRP dargelegten Maßnahmen und Anforderungen sollen bei der Erarbeitung von Satzungen, Verordnungen und anderen Planungen berücksichtigt werden. Er ist eine unverbindliche Arbeitsgrundlage der Unteren Naturschutzbehörde.

Ziel von ökologischen Biotopverbundplanungen ist der Schutz wildlebender Tiere und Pflanzen sowie ihrer Lebensgemeinschaften als Teil des Naturhaushaltes in ihrer natürlichen und historisch gewachsenen Artenvielfalt. Dabei sind ihre Lebensräume einschließlich ihrer Rastplätze und Wanderwege zu erhalten, zu pflegen, zu entwickeln und je nach Erfordernis wiederherzustellen und zu verbinden.

Das Ökologische Verbundsystem in Sachsen-Anhalt

Die Entwicklung des Ökologischen Verbundsystems in Sachsen-Anhalt (ÖVS) geht auf einen bereits 1995 gefassten Landtagsbeschluss zurück. Mit der Planung von Biotopverbundsystemen sollte die Naturschutzverwaltung dabei auf unterschiedlichen Planungsebenen die Grundlagen für ein landesweites ÖVS schaffen. Die Biotopverbundplanung auf Landkreisebene ergänzt die Landschaftsrahmenplanung inhaltlich. Gleichzeitig bildet sie den Rahmen für die Biotopverbundplanung auf der örtlichen Planungsebene, z.B. in den Landschaftsplänen (SZEKELY 2006). In Sachsen-Anhalt bilden Kernflächen und Entwicklungsflächen die Biotopverbundflächen, wobei beide Kategorien Flächen von überregionaler, regionaler oder auch örtlicher Bedeutung beinhalten können. Generell werden folgende Verbundeinheiten unterschieden:

- überregional bedeutsame Biotopverbundeinheiten als Schwerpunktbereiche und Hauptverbundachsen von europäischer oder landesweiter Bedeutung,
- regional bedeutsame Biotopverbundeinheiten mit Verbindungsfunktionen zwischen den überregional bedeutsamen Biotopverbundeinheiten und
- ausgewählte örtlich bedeutsame Biotopverbundeinheiten mit Ergänzungsfunktion.

Für den vorliegenden Teil des Landschaftsrahmenplanes für die Stadt Halle wurden die Daten des ÖVS zunächst weitgehend übernommen und in der Karte 7 dargestellt. Hierauf basieren auch die nachfolgenden Ausführungen. In einem zweiten Schritt erfolgte dann eine geringfügige gutachterliche Anpassung der vorliegenden Daten an die aktuellen Biotopverhältnisse. In wenigen Fällen wurde hierbei auch eine gutachterliche Neubewertung der Bedeutsamkeiten innerhalb der Flächenkulisse der Biotopverbundflächen vorgenommen. Diese Ergebnisse werden unter dem Pkt. „Gutachterliche Neubewertung des Biotopverbundsystems“ sowie in der Karte 8 dargestellt.

Biotopverbundplanung auf überörtlicher Ebene

Die Planung des Biotopverbundsystems erfolgte auf Kreisebene im Maßstab 1:50.000. Sie ist damit eine überörtliche Rahmenplanung, die im Vorfeld einer raumordnerischen Abwägung die naturschutzfachlich bedeutsamen Flächen ausweist. Nach ihrer Biotop- und Artenausstattung lassen sich überregional, regional und örtlich bedeutsame Biotopverbundeinheiten unterscheiden. Die Biotopverbundeinheiten werden in den meisten Fällen aus mosaikartigen Komplexen mehrerer verschiedener Biotoptypen gebildet (Biotopverbundflächen), wobei in den einzelnen Landschaftsräumen unterschiedliche Biotoptypen charakteristisch hervortreten. Die Benennung der überörtlichen Biotopverbundeinheiten lehnt sich an ihre charakteristischen Biotoptypen und Landschaftselemente an (vgl. 7). Überregional bedeutsame Biotopverbundeinheiten sind Schwerpunktbereiche und Hauptverbundachsen von europäischer oder landesweiter Bedeutung, wie z. B. Flussläufe, Feuchtgebiete, größere zusammenhängende und naturnahe Waldgebiete usw. Diese bilden die wesentlichen Kernflächen des Biotopverbundes, die auf Karte (8) in grünen Flächenfarben und in der Bestandskarte weiter differenziert dargestellt sind. Hier finden sich in der Regel auch die Natura-2000-Gebiete, NSG und eine Vielzahl der geschützten Biotope wieder. Die Kernflächen weisen einen unterschiedlichen Handlungsbedarf auf, der sich über die verschiedenen Grüntöne zuordnen lässt (vgl. ÖVS LSA, 2000). Es wird unterschieden zwischen:

- Kernflächen für die ungestörte natürliche Entwicklung (z.B. Totalreservate, forstnutzungsfreie Altholzinseln, Gewässer mit Prozessschutzbereichen),
- Kernflächen mit Fortführung der Nutzung bzw. der Pflege im bisherigem Umfang,
- Kernflächen mit Notwendigkeit zur Aufnahme von Pflegemaßnahmen (Flächen mit Defiziten, z.B. stark verbuschte Magerrasen, überalterte Streuobstwiesen, Waldflächen mit ungenügendem Altholzanteil).

Weitere Hinweise zum Handlungsbedarf sind den Kurzbeschreibungen der Biotopverbundflächen zu entnehmen.

Die Entwicklungsflächen des Biotopverbundes unterliegen gegenwärtig einer meist intensiven Nutzung. Sie lassen sich aber aufgrund ihres standörtlichen Potentials zu künftig wertvollen Kernflächen entwickeln, oder sie sind als Verbindungs- und Pufferflächen zur Aufwertung und Abrundung der Kernflächen erforderlich. Auch für die Entwicklungsflächen werden Hinweise zum Handlungsbedarf gegeben. Hierbei wird unterschieden zwischen:

- Entwicklungsflächen, auf denen Maßnahmen im Rahmen der gegenwärtigen Nutzungsart empfohlen werden, (grüne Schraffur, z.B. Umwandlung von Nadelholzforsten in Mischwälder, Entwicklung von Altholzinseln in vorhandenen Waldbeständen oder Extensivierung der Grünlandnutzung),
- Entwicklungsflächen, auf denen die Umwandlung der gegenwärtigen Nutzungsart empfohlen wird, deren wirtschaftliche Nutzung jedoch möglich bleibt (gelbe Schraffur, z.B. Umwandlung von Acker in Grünland in Überschwemmungsbereichen oder Waldmehrung).

In der Kreisfreien Stadt Halle (Saale) sind entsprechend ÖVS vier überregional bedeutsame und fünf regional bedeutsame Verbundeinheiten (vgl. Tab. 11) vorhanden, welche im Folgenden benannt und charakterisiert werden. Die Auszüge zu den beschriebenen Verbundeinheiten (Punkt 2.1 bis 2.3) sind dem Erläuterungsbericht „Ökologisches Verbundsystem des Landes Sachsen-Anhalt – Planung von Biotopverbundsystemen im Saalkreis und in der kreisfreien Stadt Halle/Saale (Stand: März 2000) entnommen.

Überregional bedeutsame Biotopverbundeinheiten (2.1)

Saale-Elster-Aue (2.1.1)
Der Planungsraum umfasst Teile der Elster-Luppe-Aue und die Saaleniederung, die in Halle zunehmend Siedlungseinflüssen unterliegt und daher im Stadtgebiet als eigener Abschnitt (vgl. Kap. 2.3) behandelt wird. Wertbestimmende Biotoptypen sind neben den eigentlichen Flussläufen in erster Linie die erhalten gebliebenen Bestände des Hartholz- und Weichholzauenwaldes sowie das Auengrünland, daneben auch Stillgewässer, Röhrichte und Staudenfluren.

Hartholzauenwald
Das Stadtgebiet von Halle verfügt über noch bemerkenswerte Bestände des Hartholzauenwaldes, wenngleich die Flächen hinsichtlich der potenziell-natürlichen Vegetation nur noch als Restbestände einzustufen sind. Als wesentliche Kernflächen im Stadtgebiet sind zu nennen: Burgholz; Saale-Elster-Aue, Abtei und Pfingstanger bzw. die NSG 138 – „Nordspitze Peißnitz“, NSG 165 – „Rabeninsel und Saaleaue bei Böllberg“, NSG 173 – „Saale-Elster-Aue bei Halle“, NSG 183 – „Pfingstanger bei Wörmlitz“ und NSG 364 – „Abtei und Saaleaue bei Planena“. Ein Großteil der Flächen ist ausgedeicht, wird aber noch relativ regelmäßig überflutet. Die Naturschutzgebiete sind größtenteils zugleich durch Kabinettsbeschluss bestätigte FFH-Gebiete und EU-Vogelschutzgebiet. Als Kernflächen des Biotopverbundsystems erfüllen die Hartholzauenwälder eine besonders hohe Lebensraumfunktion für zahlreiche Brutvogelarten, Fledermäuse, Amphibien und viele Artengruppen der Wirbellosen (u.a. Holzbewohnende Käferarten, Laufkäfer).

Die Auenwaldreste sollen durch Ergänzungspflanzungen von Stieleichen und Eschen und durch Erhalt des auentypischen Wasserregimes mit regelmäßigen Überschwemmungen in ihrer Qualität erhalten werden (STADT HALLE [SAALE] 1996). Der Stieleichen-Ulmen-Auenwald gehört zu den vorrangig zu entwickelnden Biotopen (STADT HALLE [SAALE] 1994), die in diesem Naturraum in Anknüpfung an vorhandenen Auenwaldresten entstehen sollen (STADT HALLE [SAALE] 1996). Die an den Auenwaldrest der Abtei grenzenden Flächen sind daher zur Erweiterung des Stieleichen-Ulmen-Auenwaldes der freien oder durch Initialpflanzungen beschleunigten Sukzession zu überlassen (Abtei und Saaleaue nördlich von Hohenweiden). Wie Untersuchungen zeigen, eignen sich diese Flächen für die Entwicklung von Auenwald mit dem Ziel, dessen naturräumliche Repräsentanz zu erhöhen (LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ SACHSEN-ANHALT 1996a). Neue Bestandsgründungen dürfen jedoch nicht zum Verlust wertvoller Offenlandbiotope (z.B. Feuchtwiesen) führen.

Weichholzauenwald und Röhrichte
Weichholzauenwald ist in Halle nur noch in Form weniger, meist saumartig ausgebildeter Weidenbestände entlang von Saale und Elster erhalten. In den tiefsten Auenbereichen, um Altwasserarme und im unmittelbaren Uferbereich existieren noch Restbestände aus Weiden- und Pappelarten. Zwischen Döllnitz und Beesen/Hohenweiden im Mündungsbereich der Weißen Elster hat sich ein großflächiger auentypischer Biotopkomplex aus Schilfröhrichten, Großseggenrieden und offenen Wasserflächen entwickelt (Saale-Elster-Aue bei Halle, Elsteraue bei Döllnitz, Saaleaue nördl. von Hohenweiden, Saaleaue südl. Ammendorf). Dieser stellt einen europaweit bedeutsamen Wasservogellebensraum dar (SPA 021 – „Saale-Elster-Aue südlich Halle“). Kleinere Initiale und Restbestände existieren z.B. auch noch an der Nordspitze Peißnitz (NSG 0138). In allen Fällen entscheidet das Wasserregime über den Erhalt dieser Biotope, es darf daher nicht verändert werden.

Auengrünland
Die landwirtschaftlichen Nutzflächen bestehen aus Grünland, das durch Gehölze gut strukturiert ist. Der überwiegende Teil der Saaleaue zwischen Ammendorf und Angersdorf ist durch Weidegrünland geprägt, das durch Intensivierung weitgehend artenverarmt ist (z.B. Saaleaue bei Holleben). Die typischen Auenwiesenarten finden sich noch auf Refugialstandorten, wie z.B. an den zahlreichen Entwässerungsgräben. Auf meliorierten Standorten liegen größere Ackerflächen in der Aue. Die Aue dient insbesondere bei Hochwasser in den Herbst- und Wintermonaten zahlreichen Limikolen und Wasservogelarten als Rast- und Nahrungsgebiet (SPA 021).

Das Auengrünland ist als wichtiger Lebensraum für die z.T. gefährdeten Pflanzenarten der Frisch- und Feuchtwiesen, daneben aber auch für rastende und nahrungssuchende Wasser- und Watvögel zu erhalten. Bei allen Feuchtwiesen ist eine regelmäßige zweischürige Mahd die optimale Form der Nutzung, die unbedingt beibehalten werden sollte. Durch Extensivierung und stellenweise Wiedervernässung (z.B. östlich von Holleben) soll der Artenreichtum des Grünlandes verbessert und der Anteil an Feuchtgrünland erhöht werden (Saaleaue bei Holleben). Zur Strukturanreicherung sind entlang von Gräben und Wegen Gehölze in die Aue einzubringen. Außerhalb des Überschwemmungsbereiches liegende Ackerflächen sind ebenfalls durch Einbringen von Strukturelementen (Ackerrandstreifen, Gehölze) in ihrer Bedeutung als Ergänzungslebensraum zu verbessern. Innerhalb des Überschwemmungs¬bereiches liegende Ackerflächen sind dagegen in Grünland umzuwandeln. Für die Entwicklung dieses Teils der Saaleaue ist neben der Umsetzung der FFH-Managementpläne ein gebietsübergreifender Pflege- und Entwicklungsplan zu empfehlen, um vorhandene artenreiche Grünlandbestände festzustellen und für die übrigen Flächen das Entwicklungspotential (Erhöhung der Grundwasserstände) flächenkonkret abzuschätzen. Es ist dabei auch die Frage zu klären, inwieweit das Einbringen von Gehölzen in das EU-SPA einen negativen Einfluss auf die Lebensraumeignung der Aue für verschiedene Vogelarten haben könnte.

Fließgewässer Saale und Weiße Elster
Die Fließgewässer des Planungsraumes sind dynamische Lebensräume, denen innerhalb des Biotopverbundsystems eine besonders hohe vernetzende Funktion zukommt. Sie sind dabei grundsätzlich in einer Einheit mit den unmittelbar angrenzenden Lebensraumstrukturen zu betrachten. Das können u.a. Inseln, Schotter- und Kiesbänke, Uferabbrüche an Prallhängen, Röhrichte, Hochstaudenfluren, Feuchtwiesen, Stillgewässer und Auwälder sein. Zusammen mit diesen Lebensraumkomplexen stellen die Fließgewässer eines der wichtigsten Verbundelemente zu den umliegenden Landschaftseinheiten dar. Diese wichtige Vernetzungsfunktion besteht sowohl für Pflanzenarten der Fließgewässer und Auen, z.B. als Medium für den Ferntransport von Diasporen stromtalbewohnender Arten, als auch für zahlreiche Tierartengruppen. Saale und Weiße Elster fungieren innerhalb des Stadtgebietes und darüber hinaus als lineare Lebensräume aquatischer Organismen, wie z.B. für wandernde Fischarten oder Krebstiere. Zudem sind sie wichtige Leitlinien für semiaquatische Tierarten, wie Amphibien, einige Säugetiere und zahlreiche Wirbellosengruppen und Ausbreitungsachsen für Vögel und Fledermäuse. Besonders wertvolle Strukturen im Sinne des Verbundsystems finden sich entlang der Wilden Saale im Bereich der westlichen Umfließung der Rabeninsel und der Peißnitzinsel sowie unterhalb des Trothaer Wehrs. Die Weiße Elster weist nahezu im gesamten Verlauf eine naturnahe Gewässermorphologie und wertvolle Habitatstrukturen auf.

Der Erhalt der naturnahen Gewässer- und Uferstrukturen, der Verzicht auf jeglichen weiteren Gewässerausbau und die weitgehende Akzeptanz dynamischer Eigenentwicklungen stellen wesentliche Grundsätze der künftigen Erhaltung und Entwicklung der Fließgewässerlebensräume dar. Daneben ist an allen Saalewehren die ökologische Durchgängigkeit herzustellen bzw. zu gewährleisten.

Hallesches Saaletal (2.1.2)
Das Hallesche Saaletal zwischen Angersdorf/Wörmlitz und Lettin unterliegt einem starken Einfluss durch die teilweise unmittelbar angrenzenden Siedlungsflächen und seine starke Frequentierung durch Erholungssuchende. Die Hartholzauenwälder auf der Rabeninsel (NSG 0165), Peißnitz (NSG 0138) und Forstwerder (NSG 0185) bedürfen daher der Besucherlenkung. Sie sind als FFH-Gebiete vom Kabinett bestätigt (Teilflächen von FFH 0120 und FFH 0141 entsprechend Landesliste). Das Gebiet ist als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Vorhandene Auenwiesen erhalten durch Einzelbäume und Baumgruppen teilweise einen parkähnlichen Charakter, der für die Naherholung wichtig ist. Der alte Baumbestand dient z.B. mehreren Fledermausarten als Quartier.

Das Hallesche Saaletal ist als Grünachse von Halle zu erhalten und durch Aufwertung des südlichen Auenbereichs in seiner Lebensraum- und Verbundfunktion zu verbessern. Die wertvollen Auenlebensräume müssen erhalten werden. Voraussetzung für den Erhalt der Auenlandschaft ist, dass keine weitere Regulierung der Saale erfolgt, so dass weiterhin periodische Überschwemmungen erfolgen können. In einigen Bereichen sind verfüllte oder verlandete Altarme und Tümpel zu renaturieren. Zur Ergänzung des Auenwaldbestandes auf der Rabeninsel und zur Erhöhung des Waldanteils können angrenzende Flächen der Sukzession überlassen werden. Die südliche Aue ist durch Einbringen von Brachflächen, Feldgehölzen und Heckenstrukturen zu verbessern. Die Ackerflächen in der Aue sollen schrittweise in Grünland umgewandelt werden. Baumaßnahmen in der Aue müssen unterbleiben. Die genannten Maßnahmen dienen neben dem Biotopverbund auch der Entwicklung eines attraktiven Naherholungsraumes (vgl. STADT HALLE [SAALE] 1996). Beide Ansprüche sollten in einem Pflege- und Entwicklungskonzept aufeinander abgestimmt (Besucherlenkung, Zonierungskonzepte) und die Umsetzung mit der Landwirtschaft erörtert werden. FFH-Managementpläne sowie Pflege- und Entwicklungspläne für die NSG sind hierbei einzubinden.

Alsleben-Lettiner Saaletal (2.1.3)
Der Planungsraum umfasst einen nur kleinen Abschnitt des Unteren Saaletals zwischen Lettin und Brachwitz. Die Saale hat sich während der Saalekaltzeit tief in die anstehenden Festgesteine (Buntsandstein, Zechstein, Porphyr) eingeschnitten und dadurch ein sehr markantes Geländerelief erzeugt. Der Naturraum gliedert sich in die Saaleaue, teilweise mit verschieden alten Terrassen, und die anschließenden westsaalischen und ostsaalischen Hangkomplexe, die den Übergangsbereich zum Östlichen Harzvorland bzw. zum Halleschen Ackerland markieren. Während die eigentliche Aue unterhalb Lettin einer ackerbaulichen Nutzung unterliegt, säumt die Saale auf der Südseite (linksseitig) ein schmaler, z.T. artenreicher Gehölzstreifen als Relikt des ehemals vorhandenen Auwaldes. Im Süden gehören die Lunzberge zu der überregional bedeutsamen Biotopverbundeinheit. Das in das FFH-Gebiet 0118 – „Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich Halle“ integrierte NSG „Lunzberge“ umfasst einen vielgestaltigen und artenreichen Komplex aus z.T. mit Felddurchragungen durchsetzten Trocken- und Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, xerothermen Gebüschen und Feldgehölzen. Für den Erhalt der Lebensräume zahlreicher gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, wie Kuhschelle, Kleines Knabenkraut, Blauflüglige Ödlandschrecke, Kleiner Heidegrashüpfer, Grauammer, Braunkehlchen u.v.a.. Ist die Fortführung einer extensiven Beweidung und eine stellenweise Entbuschung sicherzustellen. Innerhalb der gesamten Porphyrkuppenlandschaft nordwestlich Halle kommt den Lunzbergen eine besonders hohe Kohärenzfunktion zu.

In der Aue sollte langfristig Grünland als standortgerechte landwirtschaftliche Nutzung dominieren. Trotz Meliorationen besteht aufgrund des hoch anstehenden Grundwassers ein gutes Entwicklungspotential für die Wiederherstellung der Grünlandnutzung. Eine grünlandgeprägte offene Auenlandschaft ist z.B. Lebensraum einer artenreichen Avifauna und bedeutet auch eine starke Aufwertung des Landschaftsbildes. Diese Maßnahmen dienen auch dem Ziel, die naturräumliche Repräsentanz von Auengrünland als Ersatzvegetation des Stieleichen-Ulmen-Auenwaldes im Planungsraum zu erhöhen.

Dölauer Heide (2.1.9)
Die Dölauer Heide ist als größtes zusammenhängendes Waldgebiet des Planungsraumes zu erhalten und zu verbessern. Der überwiegende Teil der überregional bedeutsamen Biotopverbundeinheit ist als FFH-Gebiet 0122 – „Dölauer Heide und Lindbusch bei Halle“, eine kleinere Teilfläche auch als NSG 0117 – „Bischofswiese“ gesichert. Die wertvollen Traubeneichen-Hainbuchen-Wälder „Lindbusch“ und „Bischofswiese“ sowie weitere kleinere Bestände mit standortgerechter Bestockung sind in ihrer hohen Habitatqualität zu erhalten. Der überwiegende Teil ist im Rahmen einer naturnahen Forstwirtschaft in Richtung Traubeneichen-Hainbuchen-Wald mit einem hohen Anteil an Tot- und Altholz mit dem Ziel zu entwickeln, die Lebensraumqualität des Waldes zu erhöhen und die naturräumliche Repräsentanz dieses Waldtyps zu verbessern.

Im Rahmen eines Pflege- und Entwicklungskonzeptes sollten die notwendigen Maßnahmen und ihre Umsetzung zusammen mit der Forstwirtschaft erarbeitet werden. Dabei müssen auch Fragen einer Besucherlenkung erörtert werden, die eine ökologisch verträgliche Erholungsnutzung dieses stadtnahen Waldgebietes ermöglicht. Gegebenfalls ist dabei eine Aussparung der empfindlichsten Bereiche von einer Erholungsnutzung in einem Zonierungskonzept vorzusehen. Die derzeit vielfach mangelhaft ausgebildeten Waldränder müssen geschlossen und naturnah entwickelt werden. Durch ihre Entwicklung auf außerhalb des Waldes liegenden Flächen werden gleichzeitig die benötigten Pufferstrukturen geschaffen. Zu beachten ist, dass bestehende lichte und trockenwarme Waldränder mit Vorkommen seltener oder gefährdeter Arten (z.B. Diptam-Standorte, FND) in ihrer bestehenden Form zu erhalten sind.

Waldränder mit derzeit fehlenden Übergangsstrukturen zwischen Wald und Offenland (vielfach Acker), Wald und Wegen oder Straßen oder Wald und Siedlungsbereichen sollen gezielt dahingehend entwickelt werden, einen zusammenhängenden Waldmantel mit einem vielfältigen Spektrum an standortgerechten Gehölzarten und einem reichen Nahrungsangebot für Insekten, Vögel, Fledermäuse u.a. Artengruppen zu schaffen. An den Waldmänteln, die direkt an Siedlungen angrenzen oder nur durch schmale Wege von Siedlungsgrundstücken getrennt sind, ist grundsätzlich eine weitere Zersiedlung und eine engere Bebauung zu vermeiden.

Regional bedeutsame Biotopverbundeinheiten (2.2)

Gewässer der Ackerebenen
Aufgrund der Niederschlagsarmut des Gebietes existiert in den Ackerebenen des Planungsgebietes eine relativ geringe Fließgewässerdichte. In das regionale Biotopverbundsystem wurden daher alle bestehenden Fließgewässer sowie einige wichtige Entwässerungsgräben aufgenommen. Die Gewässer verlaufen weitgehend in flachen Niederungen, deren Talhänge kaum wahrnehmbar geneigt sind und in der Regel einer intensiven Ackernutzung bis unmittelbar an den Gewässerrand unterliegen. Das Profil des Gewässerbettes ist oft bis zu 2 m eingetieft und trapezförmig ausgebaut.

Götschetal (2.2.1)
Die Götsche ist als eine reich mit § 30-Biotopen ausgestattete Biotopverbundachse zwischen Petersberg und Saale zu erhalten und weiterzuentwickeln (glb). Aufgrund der Bedeutung als Frischluftschneise für die kreisfreie Stadt Halle/Saale und als Grünzug für die stadtnahe Erholung sollte der Offenlandcharakter erhalten bleiben. Die Götsche ist in ihrem überwiegenden Verlauf zu renaturieren, abschnittsweise bestehen hierzu aufgrund von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zur A 14 bereits rechtskräftige und umzusetzende Vorgaben und Planungen. Die Wasserqualität muss durch eine verbesserte Abwasserreinigung und durch Erhalt bzw. Neuanlage von Gewässerschonstreifen (auch an Nebenbächen) verbessert werden. Durch die Entwicklung von weiteren saumförmigen Gebüschen und bachbegleitenden Wäldern in den Gewässerschonstreifen (Sukzession) wird der Strukturreichtum der Niederung erhöht und die Repräsentanz des Erlen-Eschen-Waldes verbessert. Vorhandene Kopfbäume müssen gepflegt und neue angelegt werden. Der Landschaftsrahmenplan Saalekreis (Altkreis Saalkreis) sieht hier die Wiederherstellung des ehemaligen gewässerbegleitenden Grünlandzuges vor (LANDKREIS SAALKREIS 1996). An den Hangbereichen sollen die extensiv genutzten Biotope (Streuobstwiesen, Trocken- und Halbtrockenrasen, Trockengebüsche, Brachen) durch Pflegemaßnahmen in ihrem Zustand verbessert werden. Die Biotopausstattung von Hangbereichen mit geringerer Strukturvielfalt ist durch Entwicklung von Gehölzen und Krautsäumen entlang der Wege sowie von Brachflächen zu ergänzen.

Reide (2.2.5)
Die Reide bildet eine langgestreckte Biotopverbundachse entlang des östlichen Stadtrandes von Halle (FND) im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit der Tagebaufolgelandschaft Halle-Ost. Die Reide ist zu renaturieren und nach Norden über den Zöberitzer Graben einschließlich der Mötzlicher Teiche weiterzuentwickeln. Südlich von Kanena ist die Niederung durch auetypische Bruch-, Auenwald- und Röhrichtflächen, Feuchtwiesen sowie Stillgewässer geprägt, die in ihrer Qualität zu erhalten sind. Die ehemals weitgehend als Grünland genutzte Aue nördlich von Kanena (PREUSSISCHE URMESSTISCHBLÄTTER 1851/52) ist durch Umwandlung von Acker in Grünland wiederherzustellen. Durch Wiedervernässung im Zuge der Renaturierung der Reide und extensive Nutzung sind an geeigneten Flächen weitere Feuchtwiesen zu entwickeln (gemäß Landschaftsprogramm besonders zu entwickelnde Biotope). Ergänzend sollen durch freie Sukzession gewässerbegleitende Erlen-Eschen-Wälder und flächige Biotopkomplexe aus Großseggenriedern, Röhrichten und Erlenbruchwäldern entwickelt werden. Diese Maßnahmen dienen neben dem Arten- und Biotopschutz und einer funktionalen Vernetzung der Lebensräume auch dem Gewässerschutz (Gewässerschonstreifen) und der Entwicklung einer für die stadtnahe Erholung wichtigen Grünachse (MINISTERIUM FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DES LANDES SACHSEN-ANHALT 1996). Die Reide muss durch Abwasserbehandlungsmaßnahmen in ihrer Wasserqualität weiter verbessert werden.

Kabelske (2.2.6)
Die Kabelske mündet bei Kanena in die Reide und weist in kleinen Teilabschnitten noch naturnahe Bereiche auf. Auch hier müssen die Wasserqualität verbessert (derzeit überwiegend Wassergüteklasse III), Gewässerschonstreifen angelegt bzw. Ackerflächen in Teilbereichen der Niederung in Grünland umgewandelt werden.

Mötzlicher Teiche (2.2.9)
Mit etwa 60 ha Größe stellen die Mötzlicher Teiche ein bedeutendes, aber relativ isoliertes Feuchtgebiet im Nordosten von Halle dar (BUSCHENDORF & KLOTZ 1996). Es wird als GLB vorgeschlagen. Eine südlich davon gelegene, mit Salix-Arten bestandene Feuchtsenke stellt einen bedeutenden Amphibienlebensraum dar und sollte mit den Mötzlicher Teichen vernetzt werden. Die stärker verlandeten und gut strukturierten östlichen Bereiche (Posthornteich) beherbergen ein individuenstarkes Vorkommen der Knoblauchkröte, außerdem wurde hier in den vergangenen Jahren auch der Laubfrosch nachgewiesen. Der Zöberitzer Graben verbindet das Gebiet mit der Reide, verläuft aber über weite Strecken durch besiedeltes Gebiet und wird von zahlreichen Verkehrswegen gekreuzt.

Tagebaulandschaft Halle-Ost (2.2.10)
Aufgrund ihrer Großräumigkeit sind die Tagebaufolgelandschaften, auch wenn sie in Teilen entwicklungsbedürftig sind, als regional bedeutsame Schwerpunktbereiche des Biotopverbundsystems einzustufen. Weitere grundsätzliche Ausführungen sind im Teil I, Kap. 4.4.2.4 enthalten.

Halde bei Radewell
Beschreibung: großflächiges Gebiet mit Wechsel von Offenland und Gehölzen; z.T. Halbtrockenrasen und wertvolle Gebüschstrukturen; Bedeutung v.a. für Vögel;
Maßnahmen: Erstellen eines Pflege- und Entwicklungsplanes, Offenhalten von Halbtrockenrasen durch Schafhutung, Erhalt verschiedener Sukzessionsstadien von Gehölzen im Wechsel mit Offenstandorten;

Bruckdorfer und Osendorfer See
Beschreibung: sehr abwechslungsreiches Gebiet mit überwiegend feuchten Standorten, Rohbodenflächen, Gewässern und Birkenvorwald; hohe Bedeutung für Brut- und Rastvögel, Amphibien, hoheitliche Sicherung (NSG, ggf. aber GLB, weil in städtischer Zuständigkeit und kurzfristiger umsetzbar, siehe oben)
Maßnahmen: besonders im nördlichen Bereich Mahd zur Zurückdrängung von Reitgras und Entwicklung von halbtrockenrasenähnlichen Biotopen, Zulassen der Sukzession (außer Mahd), Erstellen eines Pflege- und Entwicklungsplanes.

Hufeisensee
Beschreibung: im Sommer stark von Erholungssuchenden frequentiertes Tagebau-Restloch mit mäßiger und teilweise gestörter Ufervegetation, mesotrophes Gewässer der Gesamtgüteklasse 3 (LAU 1999) und bemerkenswerter Unterwasservegetation; östlich des Hufeisensees befinden sich aufgelassene Kiesabbaulöcher mit nennenswerten Amphibienvorkommen (hier GLB-Ausweisung als Erweiterung des FND „Resttümpel nördlich Kanena“)
Maßnahmen: Gehölzanpflanzungen, Uferschonbereiche, Besucherlenkung

Ausgewählte örtliche Biotopverbundeinheiten (2.3)

Stadtlandschaft Halle/Saale (2.3.3) - Besonders wertvolle Lebensräume
Die Stadt Halle liegt in einem Bereich, in dem das Hallesche Ackerland, das Untere Saaletal, die Saale-Elster-Aue und die Dölauer Heide aneinandergrenzen. Die natürlichen Standortverhältnisse sind in den verdichteten Stadtteilen im Zentrum von Halle fast vollständig durch Bebauung und ihre Folgewirkungen überprägt. Aus ökologischer Sicht besitzt die Stadt Halle den Vorzug, durch das Saaletal durchschnitten zu werden. Die von mehreren Saalearmen durchflossene Aue ist Standort von naturnahen Wiesenflächen, Röhrichten und Weichholzauenresten und Beständen des Stieleichen-Ulmen-Auenwaldes (Rabeninsel, Nordspitze der Peißnitz, Forstwerder, Abtei u.a., vgl. Teil II, Kap. 2.1.2). An den Porphyrhängen der Klausberge, des Galgenberges, auf dem Dautzsch und bei Kröllwitz bilden kleinflächige Trockengebüsche mit Silikatfelsfluren und Trocken- und Halbtrockenrasen wertvolle Biotopkomplexe innerhalb der Stadtlandschaft (GLB, FND, ndf). Hervorzuheben ist ferner eine Reihe bedeutsamer Gebiete im Siedlungsraum wie Goldberg (GLB), Park Seeben (GLB), Muschelkalkwand Graebsee (FND) und die Pulverweiden (GLB).

Hecht-, Sau-, Ellern- und Rossgraben
Hecht-, Sau-, Ellern- und Rossgraben befinden sich in den besiedelten Bereichen der Stadt Halle oder in unmittelbarer Nachbarschaft der Siedlungsbereiche. Neben dem zu aktivierenden Biotopverbundpotential sind daher ihre Funktionen für die Naherholung und das Stadtbild sowie als Naturerlebnisraum besonders zu berücksichtigen.

Siedlungsgeprägte Biotope
Als siedlungsgeprägte Biotope wurden besonders wertvolle Flächen im Siedlungsbereich in das Biotopverbundsystem aufgenommen, die sich in erster Linie durch einen alten Baumbestand, z.T. auch durch dendrologische Besonderheiten auszeichnen, z.B. alte Friedhöfe, Parkanlagen, Zoologischer und Botanischer Garten. Dieser alte Baumbestand erfüllt neben wichtigen stadtökologischen Funktionen auch Habitatfunktionen für Fledermäuse, Höhlenbrüter u.a. und stellt damit ebenso wie die innerstädtischen Gewässer eine gewisse Fortsetzung des Biotopverbundes in den besiedelten Bereich hinein dar.



weitere Informationen: www.halle.de/de/Verwaltung/Online-Angebote/Veroeffentlichungen/index.aspx?RecID=663

Quelle: RANA Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer

letzte Änderung: 27.4.2016

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