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Natur- und Landschaftsschutz / Landschaftsrahmenplan Teilfortschreibung

4.2.2.  Potentielle natürliche Vegetation (siehe auch 4.6.)

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  Hinweis: Der Landschaftsrahmenplan im Land Sachsen-Anhalt ist anders als in manchen anderen Bundesländern kein in einem Beteiligungs- und Abwägungsverfahren abgestimmter verbindlicher Plan, sondern als beratender Fachplan zu verstehen. Die im LRP dargelegten Maßnahmen und Anforderungen sollen bei der Erarbeitung von Satzungen, Verordnungen und anderen Planungen berücksichtigt werden. Er ist eine unverbindliche Arbeitsgrundlage der Unteren Naturschutzbehörde.

Die potenzielle natürliche Vegetation (pnV) ist ein von TÜXEN (1956) geprägter Begriff, der die Vegetation beschreibt, wie sie sich nach Beendigung menschlicher Eingriffe in die Landschaft unter den aktuellen Standortverhältnissen (Wasserhaushalt, Nährstoff¬verhältnisse, Boden, Grundgestein usw.) einschließlich des Grades der anthropogenen Überformung entwickeln würde. Dem gegenüber steht die aktuelle bzw. reale Vegetation im Ergebnis der anthropogenen Landnutzung. Aktuelle und potenzielle Vegetation sind sich dementsprechend um so ähnlicher, je geringer der Einfluss des Menschen auf den Naturhaushalt ist bzw. je länger der Einfluss zurückliegt.

Große Teile Mitteleuropas - und somit auch Sachsen-Anhalts - wären natürlicherweise von Wäldern bedeckt. Auf Grund der Jahresniederschläge von über 450 mm ist das gesamte Stadtgebiet als waldfähig zu betrachten, d. h. es wäre mit Ausnahme größerer, „verlandungsresistenter“ Gewässer völlig von Wald bedeckt. Nur wenige nicht von Wäldern besiedelbare Standorte, wie beispielsweise Gewässer und deren Ufer, sind von Natur aus waldfrei. Die Stromtäler von Saale und Weißer Elster wurden wahrscheinlich von einem Komplex aus Hartholz- und Weichholz-Auenwäldern bestockt. Dabei kam es durch die Wasserdynamik sicherlich immer wieder zu Lücken im Gehölzbestand. Dennoch kann auch für die Auen eine mehr oder weniger vollständige Waldbestockung angenommen werden.

Hinsichtlich der konkret für das Plangebiet zu erwartenden pnV gibt Tab. 3 einen Überblick mit entsprechenden Flächenangaben und prozentualen Anteilen. Die Typen B12 bis Z15 bezeichnen hierin den jeweiligen pnV-Code der benannten Vegetationseinheit.

Die Datengrundlage bilden die digitalen Karten der pnV im Maßstab 1:50.000 (LAU 2000). Die pnV wird aufgrund des Darstellungsmaßstabes nur für die flächenhaften Elemente angegeben, so dass sich die Angaben zu den Flächenanteilen auf das innerhalb der administrativen Grenzen der Stadt Halle liegende Areal von 13.556 ha beziehen. Durch die über tausendjährige Besiedlungsgeschichte verbundenen Veränderungen und (Zer-)Störungen des Naturhaushaltes kam es zu einer starken Überformung mit großstadttypischen Landschaftseinheiten, die sich in den Vegetationseinheiten der pnV widerspiegeln. Ca. 50,6 % des Plangebietes (6.864 ha) sind durch die städtischen Siedlungsgebiete überformt. Angaben über die geschichtliche Entwicklung und Änderungen sind dem Alt-LRP (Stand 1997) im Kap. 5.1.1.1.3.3 „Entwicklungstrends in der Potentiell natürlichen Vegetation seit 1850“ zu entnehmen.

Potentielle natürliche Vegetation des Plangebietes

Typischer und Haselwurz-Labkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald ist mit 26 % im PG die bedeutendste Vegetationseinheit der pnV. Weite Ackerebenen, wie der Bereich des Halleschen Ackerlandes im nordöstlichen Stadtbereich mit wechseltrockenen Schwarzerden aus tiefgründigem Löß sind durch Labkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald charakterisiert. Die Baumschicht wird von Trauben-Eiche (Quercus petraea), Stiel-Eiche (Quercus robur), Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata) dominiert. Die Dölauer Heide ist eines der Hauptverbreitungsgebiete. Der Haselwurz-Labkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald stockt auf frischen nährstoffreichen Standorten. Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Giersch (Aegopodium podagraria), Mauerlattich (Mycelis muralis), Haselwurz (Asarum europaeum) u.a. und im Frühjahr Moschuskraut (Adoxa moschatellina) sind typische Arten. Beim Typischen Labkraut-Traubeneichenwald fehlen hingegen jene Arten.

Auf flachgründigen, trockenen, oft kalkreichen Standorten würde der Wucherblumen-Labkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald auf einer Fläche von 0,5 % insbesondere am Westufer des Heidesees und an den Hängen des Wörmlitzer Pfingstangers stocken. Die Baumschicht wird durch Feld-Ahorn (Acer campestre) und Elsbeere (Sorbus torminalis) gekennzeichnet, in der Krautschicht sind wärmeliebende Arten wie die Straußblütige Wucherblume (Tanacetum corymbosum), Diptam (Dictamnus albus), Purpurblauer Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum), Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) und Rauhaariges Veilchen (Viola hirta) reichlich vertreten.

Eichen-Ulmen-Auenwald (Hartholzauenwald) nimmt annährend 7,9 % des Plangebietes ein und stellt die flächenmäßig zweitgrößte potenzielle natürliche Waldgesellschaft dar. Diese struktur- und artenreiche Waldgesellschaft stockt auf den höher gelegenen, gelegentlich überfluteten Auenterrassen auf kräftigen bis reich nährstoffversorgten Standorten. Aufgrund des Nährstoffreichtums der Auenlehmböden und des wechselnden Wasserdargebotes entstehen Wälder mit stark gegliederten Raumstrukturen, Mehrschichtigkeit und Artenreichtum. In der Baumschicht treten Stiel-Eiche (Quercus robur), Feld- und Flatterulme (Ulmus minor, U. laevis), Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) sowie Feld-Ahorn (Acer campestre) häufig auf. Hainbuche (Carpinus betulus), Winter-Linde (Tilia cordata), Wild-Birne (Pyrus pyraster) und Wild-Apfel (Malus sylvestris) kommen als Begleitbaumarten vor. Die artenreiche Strauchschicht bilden Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Hasel (Corylus avellana), Weißdorn-Arten (Crataegus spec.), Kratzbeere (Rubus caesius) und weitere Arten. Die Bodenvegetation weist ein mit den Bach- und Niederungswäldern vergleichbares Inventar überwiegend anspruchsvoller, feuchtigkeitsliebender Pflanzenarten auf. Jedoch treten Stickstoff- und Basenzeiger, wie Gundermann (Glechoma hederacea), Bärlauch (Allium ursinum), Große Brennnessel (Urtica dioica), Große Klette (Arctium lappa), Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) häufig auf. Hopfen (Humulus lupulus) und Gemeine Waldrebe (Clematis vitalba) bilden häufig eine ausgeprägte Lianenschicht aus.

Rohrglanzgras-Eichen-Ulmen-Auenwald tritt von Natur aus kleinflächig auf ca. 0,1 % der Fläche in den Rinnen der Überflutungsauen auf. Die Baumschicht wird vorwiegend von Esche (Fraxinus excelsior) und Stieleiche (Quercus robur) geprägt. In diesen Wäldern sind eine üppige Strauchschicht sowie eine gutwüchsige, staudenreiche Krautschicht ausgebildet.

Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwald tritt auf anlehmigen, von Grundwasser beeinflussten Böden der Pleistozängebiete sowie in den Nebentälchen der Lößgebiete auf. Im PG nimmt er eine Fläche von 232 ha ein. Er ist insbesondere im Westen der Stadt, um Reideburg zu finden und nimmt die nährstoffreichen Gleye über lehmigen Ausgangsgestein ein. Seine Baumschicht wird von der Stiel-Eiche (Quercus robur) bestimmt, wobei die Hainbuche (Carpinus betulus) wesentlich stärker am Bestandsaufbau beteiligt ist. In der Strauchschicht treten Roter Hartriegel (Cornus sanguinea), Haselnuß (Corylus avellana) und Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) verstärkt auf. In der Krautschicht sind Arten eutropher Wälder wie Wald-Ziest (Stachys sylvatica), Große Stermiere (Stellaria holostea), Einblütiges Perlgras (Melica uniflora) sowie Giersch (Aegopodium podagraria) u.a. vertreten. Stellenweise auf ca. 1 % der Gebietsfläche tritt der Waldziest-Stieleichen-Hainbuchenwald mit Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald oder Waldseggen-Erlenbruchwald auf. Teilweise (auf ca. 91 ha) ist örtlich Labkraut-Traubeneichen-Hainbuchenwald enthalten.

In den Altauen der Saale hinter den Hauptdeichen, z.B. im Bereich des Pfingstangers, geht aufgrund der ausbleibenden Überschwemmungsdynamik der Eichen-Ulmen-Auenwald in einen Eschen-Stieleichen-Hainbuchenwald über. Er nimmt im PG etwa 0,45 % der Fläche ein und wurde als eigene Vegetationseinheit ausgewiesen (LAU 2000b). Im Vergleich zum Eichen-Ulmen-Auenwald nimmt der Anteil überflutungsempfindlicher Baumarten, wie Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Hainbuche (Carpinus betulus) und Winter-Linde (Tilia cordata), zu. In der Bodenvegetation treten frische- bis feuchteliebende Arten wie z. B. Wald-Goldstern (Gagea lutea), Aronstab (Arum maculatum) und Wald-Zwenke (Brachypodium sylvaticum) auf.

Silberweiden-Auenwald (Weichholzauenwald) stellt mit einem Flächenanteil von 1,4 % eine bedeutende potenzielle Waldgesellschaft im unmittelbaren Uferbereich der Saale und Weißen Elster sowie ihrer Altarme vor den Hauptdeichen, aber auch im Bereich des NSG Forstwerder und im Uferbereich der Steinlache dar. Er tritt vorwiegend auf den regelmäßig überfluteten Uferbereichen der Saale und Weißen Elster auf Auenrohböden mit angeschwemmten Sedimenten auf, die den Weiden (Salix spec.) eine hinreichend günstige Konkurrenzsituation gegenüber anderen Baumarten für ihre Fortpflanzung und Entwicklung bieten. Gleichzeitig vermögen nur regenerationsfähige Arten wie die Weide, den andauernden mechanischen Belastungen durch ständige Überflutung, Treibeis und Sedimentumlagerung standzuhalten. In der lückigen bis lichten Baumschicht, die häufig gebüschartig ausgebildet ist, treten Silber-Weide und Hohe Weide (Salix alba, S. x rubens) als Hauptbaumarten auf. Die Schwarz-Pappel (Populus nigra) tritt selten, die Flatter-Ulme stellenweise als Begleitbaumart hinzu. Letztere vermittelt zum Hartholzauenwald. Zum Ufer hin kommen Strauchweiden, wie Mandel-, Purpur- und Korbweide (Salix triandra, S. purpurea, S. viminalis) vor. Die Bodenvegetation wird durch eine konkurrenzstarke, nitrophile Ufer- und Staudenflora gebildet. Große Brennnessel (Urtica dioica), Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea), Kratzbeere (Rubus caesius), Bittersüßer Nachtschatten (Solanum dulcamara), Hopfen (Humulus lupulus), Zaun-Winde (Calystegia sepium), Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper), Wasser-Schwaden (Glyceria maxima), Schwarzfrüchtiger Zweizahn (Bidens frondosa) und weitere Arten kennzeichnen die Weichholzauenwälder.

Der Traubenkirschen-Erlen-Eschen-Wald tritt mit 42 ha auf mäßig hoch bis hoch nährstoffversorgten neutral bis schwach sauren Standorten der Bach- und Flussauen sowie in nassen Senken und Niederungen mit langsam sinkendem, hochanstehendem GW auf. Gemeine Esche (Fraxinus excelsior), Schwarz-Erle (Alnus glutinosa), Birke (Betula pendula) sowie Feld- und Flatterulme (Ulmus minor, U. laevis) repräsentieren sich gemeinsam in der Baumschicht. Neben einer gut entwickelten Strauchschicht ist eine üppige staudenreiche Krautschicht mit häufig vorkommenden Stickstoffzeigern wie Gundermann (Glechoma hederacea), Große Brennnessel (Urtica dioica), Echte Nelkenwurz (Geum urbanum) sowie Feuchte- und Wechselfeuchtezeigern anzutreffen.

Waldseggen-Erlenbruchwälder treten mit einer Fläche von 30,46 ha nur an wenigen Stellen im Stadtgebiet, besonders im Bereich verlandeter Altwasser z.B. im Bereich von Osendorf auf. Sie werden auch als potenzielle Vegetation für die größeren Lehmstiche in der Saaleaue um Planena angenommen.

Sonstige Waldgesellschaften nehmen mit insgesamt 172,63 ha sehr geringe Flächenanteile im Plangebiet ein.

Offene Wasserflächen, Flüsse sowie Brackwasserröhrichte stellen mit 458,61 ha auf 3,38 % des Plangebietes einen eher kleinen Lebensraum dar. Davon nimmt die artenarme Wasservegetation mit 184,54 ha bzw. 1,36 % den größten Flächenanteil ein, gefolgt von Hornblatt- und Kammlaichkraut-Gesellschaften in eu- bis hypertrophen Gewässern mit einer Fläche von ca. 119,61 ha und Laichkrautgesellschaften meso- bis eutropher Gewässer mit 108,44 ha. Brackwasserröhrichte und halophile Ausbildungen von Süßwasserröhrichten sind nur auf einer geringen Fläche von 46 ha im Bereich der Mötzlicher Teiche vorhanden.

Zu den nachhaltig veränderten Landschaften zählen neben den Siedlungsgebieten auch Abbau- und Aufschüttungsflächen sowie die Sukzessionskomplexe der Tagebaulandschaften. Innerhalb der kreisfreien Stadt Halle (Saale) sind diese Komplexe in einem sehr dynamischen Zustand vorzufinden, so dass eine standortgerechte Ausweisung von Pflanzengesellschaften hier erschwert ist, zumal durch den Grundwasseranstieg in den Restlöchern bzw. die künstliche Flutung größere Gewässer entstehen, welche die terrestrischen Sukzessionskomplexe überformen. Die Komplexe werden in arme Sukzessionskomplexe auf tertiären Kippflächen der Tagebaulandschaft und reiche Sukzessionskomplexe auf pleistozänen Kippflächen der Tagebaulandschaft unterschieden, wobei erstgenannte im Bereich der Tagebauregion Halle-Ost großflächig auf ca. 4 % des PG auftreten und "reiche Sukzessionskomplexe" mit ca. 52 ha Gesamtfläche ausschließlich am Südufer des Hufeisensees zu finden sind.



weitere Informationen: www.halle.de/de/Verwaltung/Online-Angebote/Veroeffentlichungen/index.aspx?RecID=663

Quelle: RANA Büro für Ökologie und Naturschutz, Frank Meyer

letzte Änderung: 27.4.2016

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