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Natur- und Landschaftsschutz / Landschaftsrahmenplan (LRP) als einheitliches naturschutzfachliches Planwerk

4.1.4.  Karte 4 Schutzgut Arten- und Lebensgemeinschaften

Grafik

  Die Bewertung des Schutzgutes Arten- und Lebensgemeinschaften erfolgt getrennt nach Siedlungsflächen und Offenlandbereichen unter Einbeziehung der folgenden Merkmale:

  • Seltenheit und Repräsentanz der Biotope und Biotopkomplexe im Naturraum
  • Größe und Komplexität
  • Vorkommen von Arten der Roten Liste Flora und Fauna
  • Bedeutung der Flächen im Biotopverbund und Schutzgebietsystem


  • Innerhalb der Siedlungsflächen liegen keine flächendeckenden Informationen über die Ausprägung der Vegetation und die Verbreitung der Tierarten vor. Vorhandene Bestandsaufnahmen haben exemplarischen Charakter und lassen lediglich Rückschlüsse auf die floristische und faunistische Ausstattung bestimmter Siedlungsstrukturen zu. Für die Vegetationskomplexe des besiedelten Bereiches ergeben sich folgende Bewertungen:

    Von hoher Bedeutung sind Bereiche mit einem Versiedlungsgrad unter 40 %, die durch regelmäßige Vorkommen gefährdeter Pflanzen- und Tierarten gekennzeichnet sind, die gefährdeten Arten als Nahrungs- und Reproduktionsareal dienen oder für Biotopverbundstrukturen von Interesse sind. Dazu gehören beispielsweise historische Siedlungsteile mit großzügigen baulichen Anlagen (Burganlagen, Kirchen) und angrenzenden Grünflächen (u.a. Mauerritzenvegetation, Fledermausquartiere) oder Friedhöfe, Parks und größere begrünte Stadtplätze.

    Von mittlerer Bedeutung sind Siedlungsflächen mit einem Versieglungsgrad zwischen 40 und 60 %, die sich durch eine lockere Bebauung auszeichnen, strukturierte und geschichtete Vegetationsstrukturen mit Blüten- und Nahrungsangebot aufweisen und durch das gelegentliche Vorkommen gefährdeter Arten gekennzeichnet sind. Diese Kriterien erfüllen beispielsweise freistehende Einfamilienhaussiedlungen, verstädterte Dorfkerne, Villenbebauungen, Gartenanlagen, Bahnanlagen sowie Sportanlagen.

    Eine geringe bis sehr geringe Bedeutung haben Siedlungsflächen mit dichter Bebauung und einem Versieglungsgrad zwischen 60 und 80 %, in denen eine strukturarme Vegetation existiert. Beispiele hierfür sind dichte Reihenhausbebauung, geschlossene Blockrandbebauung, Großwohnanlagen, Industrie-, Gewerbe- und Mischgebiete sowie Verkehrsflächen.

    Für die Offenlandbereiche wurden die entscheidenden Kriterien Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen- und Tierarten, Natürlichkeit, Bedeutung im Biotopverbund sowie die Wiederherstellbarkeit betrachtet: Die einzelnen Kriterien wurden jeweils nach einer fünfstufigen Wertungsskala beurteilt, wobei in Stufe 1 immer die ökologisch schlechteste Variante und bei Stufe 5 die ökologisch wertvollste Variante dargestellt wird. Demnach ergeben sich für die einzelnen Kriterien folgende Unterscheidungen:

    Bedeutung als Lebensraum für die Pflanzenarten

    1. nährstoffreiche, intensiv genutzte Standorte; mittlere Feuchtestufe, Sekundärvegetation aus meist kurzlebigen, allgemein verbreiteten Arten;
    2. nährstoffreiche, extensiv bis nicht genutzte Standorte; mittlere Feuchtestufe;
    3. nährstoffreiche, trockene oder feuchte Standorte, extensiv bis nicht genutzt, sekundäre und naturnahe Vegetation;
    4. mäßig nährstoffreiche, trockene oder feuchte Standorte, extensiv bis nicht genutzt; natürliche und Sekundärvegetation; Vorkommen kleiner Populationen mehrerer gefährdeter Arten;
    5. nährstoffärmere, trockene oder feuchte bis nasse Standorte; extensiv bis nicht genutzt; natürliche und Sekundärvegetation; Vorkommen von stabilen Populationen mehrerer gefährdeter Arten.

    Bedeutung als Lebensraum für Tierarten

    1. sehr struktur- und schichtungsarm; sehr geringes Blüten- bzw. Nahrungsangebot; häufige Störungen;
    2. struktur- und schichtungsarm; geringes Blüten- bzw. Nahrungsangebot; häufige Störungen;
    3. strukturiert und geschichtet; Blüten- und Nahrungsangebot vorhanden; mäßige Störungen; gelegentliches Vorkommen gefährdeter Arten;
    4. reich strukturiert und geschichtet; reiches Blüten- bzw. Nahrungsangebot; geringe Störungen; Rast-, Nahrungs- und/oder Reproduktionsareal gefährdeter Arten;
    5. sehr reich strukturiert und geschichtet; reiches Blüten- und Nahrungsangebot; keine Störungen; Reproduktionsareal gefährdeter Arten verschiedener Artengruppen.

    Natürlichkeit

    1. künstliche und naturferne Standorte, die unter menschlichem Einfluss entstanden sind, absichtlich geschaffen und von diesem menschlichen Einfluss abhängig sind und auf denen eine natürliche Ausbildung von Lebensgemeinschaften nicht zugelassen wird;
    2. naturferne Standorte, die unter menschlichem Einfluss entstanden sind und von diesem menschlichen Einfluss abhängig sind, auf denen aber eine bedingte Entwicklung von Lebensgemeinschaften möglich ist;
    3. bedingt naturferne Standorte, deren Entstehung und Erhaltung der menschlichen Einflussnahme bedürfen und die einer mäßigen Nutzungsintensität unterliegen;
    4. halbnatürliche Standorte, die ohne direkten menschlichen Einfluss entstehen können und durch anthropogene Einflüsse geringer Intensität nicht wesentlich verändert worden sind;
    5. natürliche oder naturnahe Standorte, die vom Menschen nicht oder nahezu nicht verändert sind.

    Bedeutung im Biotopverbund

    1. sehr großflächige, homogene, unstrukturierte Lebensräume;
    2. großflächige, gering strukturierte Lebensräume oder stark isolierte, kleinflächige Biotopstrukturen innerhalb intensiv genutzter Flächen oder starke Beeinträchtigung und Zerschneidungseffekte;
    3. strukturierte Lebensräume mittlerer Flächigkeit oder Zerschneidungseffekte mit mäßiger Beeinträchtigung oder vorhandene kleinflächige Vegetationsmosaike oder potentielle Eignung als Trittsteinbiotop bzw. Vernetzungsstruktur;
    4. gering zerschnittene, strukturierte, großflächig ausgebildete Landschaftselemente oder kleinflächig und abwechslungsreiche Vegetationsmosaike oder wichtige nachgewiesene oder anzunehmende Funktionen als Vernetzungsstruktur bzw. Trittsteine;
    5. unzerschnittene, sehr großflächig ausgebildete sowie gut strukturierte Lebensräume mit großflächiger Ausbildung oder stark differenzierte Vegetationsmosaike geringer Flächenausdehnung.

    Wiederherstellbarkeit

    1. ursprünglicher Zustand nicht wiederherstellbar; Ersatz-Biotope mit wesentlich geringerem ökologischen Wert oder räumliche Ersetzbarkeit aufgrund fehlender Standortvoraussetzungen nicht gegeben.
    2. ursprünglicher Zustand auch mit sehr großem Aufwand und nach langem Zeitraum nicht in ursprünglicher Form wiederherstellbar; Ersatz mit wesentlich geringerem Wert; Anlage von künstlichen Ersatz-Biotopen mit nicht abschätzbarer ökologischer Entwicklung; räumliche Ersetzbarkeit aufgrund der Seltenheit der Standortbedingungen stark eingeschränkt;
    3. mit großem Aufwand oder erst nach sehr langem Zeitraum (mehr als 10 bis über 25 Jahre) ursprünglicher Zustand wiederherstellbar;
    4. mit mittlerem Aufwand mittelfristig (3-10 Jahre) ursprünglicher Zustand wiederherstellbar;
    5. mit geringem Aufwand und in kurzem Zeitraum (1-2 Jahre) ursprünglicher Zustand wiederherstellbar

    Nachdem jeder Biotopkomplex der freien Landschaft hinsichtlich der entscheidenden Kriterien eingeschätzt wurde, erfolgt das Zusammenzählen der jeweils erzielten Skalenpunkte. Diese Summe wird nun einer der fünf Wertigkeitsklassen zugeordnet:
    Summe

    0 - 5 Klasse I
    6 - 10 Klasse II
    11 - 15 Klasse III
    16 - 20 Klasse IV
    21 - 25 Klasse V


    Daraus ergibt sich die folgende Abstufung, die der räumlichen Abgrenzung in Karte 4 zugrunde liegt:

    V Biologisch sehr wertvolle Landschaftskomplexe mit nationaler und regionaler Bedeutung;
    IV Biologisch wertvolle Landschaftskomplexe mit lokaler Bedeutung;
    III Landschaftskomplexe mit einer mittleren Bedeutung;
    II Biologisch mehr oder weniger stark verarmte Landschaft;
    I Biologisch sehr stark verarmte Landschaft.

    Kartengrundlage: OECOCART und CUI mbH im Auftrag der Stadt Halle (Saale), Umweltamt, Maßstab der Originalkarten: 1:50.000, Digitalisierung: Stadt Halle (Saale), Umweltamt


    letzte Änderung: 12.10.2010

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