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Geologie, Böden und Grundwasser

2.1.  Grundwasserbelastungskataster

  Das Stadtgebiet von Halle (Saale) besitzt einen außerordentlich komplexen und komplizierten geologisch-hydrogeologischen Bau und weist durch seine jahrhundertelange industrielle Nutzung sowie durch die intensive bergbauliche Inanspruchnahme des unmittelbaren Stadtumfelds (Braunkohlenbergbau, Kaligewinnung) starke, durch den Menschen hervorgerufene Belastungen auf.

Industrieanlagen emittierten über lange Zeiträume feste und flüchtige Abprodukte, die sich in der weiteren Umgebung ablagerten bzw. mit atmosphärischen Niederschlägen zu weiteren Reaktionen führten. Über den Belastungspfad Boden können somit Schadstoffkomponenten in grundwasserleitende Horizonte immigrieren. Kontaminationen auf Altablagerungen und Altstandorten sowie der unsachgemäße Umgang mit wassergefährdenden Stoffen führten ebenfalls zu Verunreinigungen.

Seit 1993 laufen Arbeiten zum Aufbau eines komplexen Grundwasserbelastungskatasters des Stadtgebiets Halle (Saale).
Das Grundwasserbeobachtungsnetz im Stadtgebiet war in der Vergangenheit sehr inhomogen und unterstand zudem verschiedenen Rechtsträgern. Mit zunehmender Bedeutung der Umweltbelange und für die Überwachung und Kontrolle bestehender Grundwasserkontaminationen war für die Stadt ein möglichst dichtes, funktionsfähiges und aussagekräftiges Grundwassermessnetz erforderlich.

Nach einer 1993 vorgenommenen ersten Inventarisierung bestand das potentielle Beobachtungsnetz aus 132 Messstellen, die sehr ungleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt waren. Zahlreiche Pegel wiesen zudem gravierende Mängel auf und waren messtechnisch unbrauchbar. Seit 1994/95 wurden daher durch die Stadt Halle (Saale) in enger Abstimmung mit dem Geologischen Landesamt Sachsen-Anhalt an hydrogeologischen Schlüsselpunkten sowie in umweltrelevanten Gefahrenbereichen des Stadtgebietes bisher 64 hydrogeologische Qualitäts-Pegelbohrungen verteuft, die den Kern eines qualitativ hochwertigen und aussagekräftigen Messnetzes bilden, das noch um einige wenige Aufschlüsse erweitert werden soll.

In den Jahren 1995 bis 1997 wurde das Grundgerüst des Grundwasserbelastungskatasters aufgebaut, das auf einem integrierten geologisch-hydrogeologischen Raummodell des Stadtgebietes basiert und dessen Kerngerüst aus ca. 1.400 erfassten und digital ausgewerteten geologischen Aufschlüssen sowie ca. 430 Grundwassermessstellen besteht. Schwerpunkt des geologisch-hydrogeologischen Rahmenmodells ist die Zusammenfassung und Synthese der bisher bekannten hydrodynamischen und hydrochemischen Gesetzmäßigkeiten, die für Schadstoffausbreitung und -transport von besonderer Relevanz sind. Es sollen jedoch auch bereits bekannte Grundwasserkontaminationen erfasst und hinsichtlich ihrer Umweltrelevanz bewertet werden.

Zur besseren Veranschaulichung der komplizierten geologischen Verhältnisse im Stadtgebiet erfolgte in einer ersten Phase die Konstruktion von zwölf hydrogeologischen Schnitten, die das Stadtgebiet in West-Ost-Richtung (7) und Nord-Süd-Richtung (5) queren.
Als Basis des hydrogeologischen Modells erfolgte und erfolgt auch weiterhin mit Fortschreiten des Kenntnisstandes die Erfassung aller verfügbaren geologischen Daten.

Seit 1995 wird in regelmäßigen Zeitabständen das Hydromonitoring-Programm des Fachbereiches Umwelt im Rahmen des Grundwasserbelastungskatasters durchgeführt. Es umfasst Stichtagsmessungen sowie die hydrochemische Untersuchung von Wasserproben.
In das Qualitätspegelnetz, das vom Fachbereich Umwelt der Stadt Halle (Saale) für qualitative Untersuchungen genutzt werden kann, wurden 50 Grundwassermessstellen einbezogen. Stichtagsmessungen werden zurzeit an 60 Grundwassermessstellen durchgeführt.
Die Auswahl der Pegel für das Dauermonitoring erfolgte auf der Basis einer detaillierten Auswertung von vorliegenden Mess- und Untersuchungsreihen. Auf der Grundlage einer zusammenfassenden Auswertung der vorliegenden, seit 1995 durchgeführten jährlichen chemischen Grundwasseruntersuchung wurden der Grundchemismus der unterschiedlichen Grundwasserleiter, die im Stadtgebiet von Halle (Saale) auftreten, bewertet und Grundwasserbelastungsbereiche definiert. Die chemische Untersuchung der Proben erfolgte auf ausgewählte Grundparameter und die durch die Auswertung der im Rahmen des Grundwasserbelastungskatasters durchgeführten Untersuchungen ermittelten typischen Schadstoffe.

Im Rahmen der vorgenommenen Stichtagsmessungen wurde und wird das Pegelverzeichnis ständig aktualisiert. Damit wurde eine fundierte Grundlage geschaffen, auf die im Schadensfall zur Festlegung relevanter Mess- oder Probenahmestellen rasch zurückgegriffen werden kann.

In einem speziellen Untersuchungsprogramm wurden 1999 in fünf Schwerpunktbereichen eingehende Untersuchungen hinsichtlich der Grundwasserdynamik, Schadstoffbelastung und Schadstofftransport durchgeführt mit dem Ziel, die Schadstoffbelastungsbereiche abzugrenzen. Diese Arbeiten erfolgten in den besonders umweltrelevanten Stadtbereichen Halle-Ost, Halle-Ammendorf, Saaleinsel, Halle-Paulusviertel, Halle-Neustadt.

Im Ergebnis der bisherigen Bearbeitung, die in enger Kooperation und mit Unterstützung der Fachbehörden (Staatliches Amt für Umweltschutz/Regierungspräsidium/Landesverwaltungsamt, Geologisches Landesamt Sachsen-Anhalt/Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt) und gefördert durch das Ministerium für Raumordnung, Landwirtschaft und Umwelt erfolgte, kann eingeschätzt werden, dass umfangreiches Datenmaterial zusammengetragen und ausgewertet wurde und so eine solide und ausreichende Basis für das hydrogeologische Raummodell der Stadt Halle (Saale) gelegt werden konnte. Damit sind sowohl fundierte Grundlagen für planerische Tätigkeiten (Standortentwicklung) erarbeitet, als auch die Voraussetzungen für eine vorausschauende Überwachung potentieller Gefahrenbereiche in Bezug auf Altlasten und altlastverdächtige Flächen in der Stadt geschaffen worden. Die komplexe Nutzung des hydrogeologischen Raummodells der Stadt Halle (Saale) und seine immer breitere Anwendung durch die kommunalen Fachabteilungen erfordert eine weitere Qualifizierung des vorhandenen umfangreichen Datenbestandes und dessen fortlaufende Pflege, als auch eine Ergänzung des bereits bestehenden hydrogeologischen Beobachtungsnetzes im Stadtgebiet und dessen weitere fachtechnische Überwachung und Kontrolle.

Die nachfolgenden Karten stellen den Bearbeitungsstand des Jahres 1999 dar und werden wegen eines unverhältnismäßig hohen Bearbeitungsaufwandes vorerst im Umweltatlas nicht aktualisiert. Die Karten geben einen Überblick über das grundsätzlich vorhandene Material, das in der jeweils aktuellen Fassung bei der Unteren Bodenschutzbehörde der Stadt Halle verfügbar ist.

Karten des Kapitels 2.1.: G.E.O.S. Halle, Niederlassung der G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH, (Bearbeiter Frau Lauer), IDU Ingenieurgesellschaft für Datenverarbeitung und Umweltschutz mbH, in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen
Texte für die Karten 2.1.1. bis 2.1.10.: Frau Lauer (G.E.O.S. Halle)


letzte Änderung: 17.12.2012

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