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2.  Geologie, Böden und Grundwasser

  Die geologische Erforschung ist einerseits mit Halle als Universitätsstadt verbunden, andererseits besteht ein enger Zusammenhang mit dem Bergbau und der amtlichen geologischen Landesaufnahme. Während die oberflächennahen Bereiche relativ gut untersucht und auf geologischen Karten dargestellt sind, ist der tiefere Untergrund erst in den Grundzügen bekannt und bedarf weiterer Untersuchungen.

Das Gebiet der Stadt Halle und Umgebung umfasst regionalgeologische Einheiten verschieden alter strukturgeologischer Stockwerke. Es wird zwischen Grundgebirgsstockwerk, Übergangs- oder Molassestockwerk, Tafeldeckgebirge und känozoischem Lockergesteinsstockwerk unterschieden. Die Ablagerungen des Lockergesteinsstockwerks besitzen an der Oberfläche weite Verbreitung und bedecken den älteren Untergrund bis in Tiefen von 50 - 100 m. Tertiäre, braunkohlenführende Ablagerungen bildeten sich in Senken infolge andauernder tektonischer Absenkung, durch Salzabwanderung oder Subrosion (unterirdische Auslaugung und Verfrachtung von meist leichtlöslichem Gestein). Von den bis über 1000 m mächtigen Sedimentgesteinen des Tafeldeckgebirges besitzen die Ablagerungen des Zechsteins mit einer vierfach wiederholten Abscheidungsfolge von Ton-Karbonat-Sulfat-Chlorid (Steinsalz, z. T. mit Kalisalzen) besondere Bedeutung wegen der an die Salze gebundenen Subrosionsvorgänge.
Die Salzverbreitung endet nach Nordosten vor der Halleschen Störung und im Osten im Bereich des heutigen Saaletals zwischen Halle und Merseburg.
Karbonat- und Sulfatgesteine des Zechsteins bilden im Untergrund wichtige Karstgrundwasserleiter, die in der Regel Salzwasser führen. Das Molassestockwerk mit den halleschen Vulkaniten, Konglomeraten, Sandsteinen und Schluffsteinen des Rotliegenden und Oberkarbons tritt nördlich der Halleschen Störung im Nordteil von Halle an die Oberfläche.

Der prätertiäre Untergrund ist durch einen Bruchschollenbau gekennzeichnet, der im Gefolge der saxonischen Tektogenese während der Kreide (vor etwa 80 - 100 Millionen Jahren) und zum Teil im Alttertiär sein heutiges Gepräge erhielt. Dabei wurden teilweise variszische und vorvariszische Strukturen reaktiviert. Halle und seine weitere Umgebung gehören zum Mitteldeutschen Schollengebiet, das durch vorherrschend NW -SE gerichtete (herzynische) Bruchstörungen gegliedert wird. Die wichtigste ist die Hallesche Störung oder Marktplatzverwerfung, deren Streichrichtung zwischen steilherzynisch und nahezu Ost-West wechselt. Auch die Sprunghöhe ändert sich von über 1000 m in Halle-Neustadt auf 500 - 600 m am Marktplatz bis unter 500 m bei Dieskau. Sowohl Hochscholle als auch Tiefscholle sind durch Parallel- und Querstörungen (erzgebirgisch, eggisch) in ein Schollenmosaik untergegliedert, das im Einzelnen noch nicht bekannt ist. Teilweise, wie bei Brachwitz und Wettin, liegt auch eine Flexur vor.

Durch die Hallesche Störung und durch sie begleitende Parallel- und Querstörungen existieren hydraulische Verbindungen von Grundwasserstockwerken, insbesondere der quartären Schotterkörper in der Saaleaue mit Karstgrundwasserleitern im Zechstein. Hallesche Störung und Saaleaue kreuzen sich im Stadtgebiet unmittelbar westlich des Hallmarktes. Hier kommt es zur Mischung aufsteigender geogen mineralisierter Wässer mit anthropogen belastetem Oberflächenwasser aus der Saaleaue. In diesem Bereich befindet sich die umweltgeologisch kritischste Stelle in der Stadt.

Die Kenntnis von Lage und Verlauf von Bruchstörungen, Karstzonen und subrosiv bedingten Auflockerungszonen im geologischen Untergrund sind für hydrogeologische Aufgabenstellungen und damit verbundene mögliche Schadstoffausbreitungen unerlässliche Grundlagen. Die geologischen Verhältnisse haben aber auch unmittelbare Bedeutung für die Bewertung von Altlasten und für Fragen des Baugrundes und der Landschaftsgestaltung.


Der Boden ist ein kompliziertes dynamisches System, in dem sich gesetzmäßig miteinander verflochtene physikalische, chemische und biologische Vorgänge vereinigen. Es handelt sich um keinen scharf abgegrenzten Naturkörper, der sich aus festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteilen zusammensetzt. Die Entstehung des Bodens erfolgt im zeitlichen Ablauf durch das Zusammenwirken von geologischem Ausgangsmaterial, Klima, Oberflächengestalt, Wasser, Vegetation und Tierwelt sowie durch den Einfluss des Menschen. Grundlegende Aussagen über den Boden sind immer mit Kenntnissen zum Aufbau des geologischen Untergrundes und den erdgeschichtlichen Entwicklungsprozessen verbunden.

Die aus Gesteinen hervorgegangenen Böden werden als Mineralböden bezeichnet. Außerdem gibt es noch organische Böden, die ausschließlich aus abgestorbenen organischen Massen entstanden sind. Der natürlich gewachsene Boden kann in seiner Fläche nicht vermehrt werden. Er wird außerdem durch Erosion, Verdichtung, chemische Belastung und Versiegelung teilweise stark beeinträchtigt. Dem Schutz des Bodens ist deshalb die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Notwendige gesetzliche Bestimmungen wurden in den letzten Jahren verabschiedet.


Quelle: u.a. Tagungsband zum Kolloquium Geologie und Umweltschutz in Halle und Umgebung am 22. Mai 1996, Verfasser W. Knoth, U. Kriebel, K.-H. Radzinski und M. Thomae

letzte Änderung: 18.08.2009

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