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Wasser / Trinkwasser

1.3.2.  Trinkwasserlehrpfad

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  Bitte beachten Sie, dass sowohl durch Hochwasser als auch durch Vandalismus die Informationstafeln des Lehrpfades beschädigt oder zerstört sein können.

Im Süden der Stadt Halle (Saale) erstreckt sich eine weiträumige Auenlandschaft, die zu den ökologisch wertvollsten Naturräumen im Süden Sachsen-Anhalts zählt. Der Mündungsbereich der Weißen Elster und der Saale stellt einen bemerkenswerten Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen dar.

Aber auch für die Bewohner der Saalestadt und der umliegenden Gemeinden ist die Saale-Elster-Aue sehr bedeutsam. Schließlich wird in diesem Gebiet das wichtigste Lebensmittel für den Menschen gewonnen – das Trinkwasser.

Die Nutzung von verschmutztem Saalewasser führte Mitte des 19. Jahrhunderts in Halle zu schweren Cholera- und Typhusepidemien und zwang die Stadt zum Bau eines Wasserwerkes. Am Rande der Saale-Elster-Aue beim Dorf Beesen ging dieses Werk im Jahr 1868 als einfache Pumpstation in Betrieb. Einige Jahre später wurden die ersten Aufbereitungsanlagen errichtet, die aufgrund der rasanten Bevölkerungsentwicklung in den folgenden Jahrzehnten ständig erweitert wurden. Ab 1957 erhielt die Stadt zusätzlich Fernwasser aus der Elbaue, seit 1965 dann auch aus dem Ostharz.

Das neue Wasserwerk Halle-Beesen wurde 1993 in Betrieb genommen. Die moderne Aufbereitungstechnologie mit Sauerstoffzuführung, Mehrschichtfiltern, Ozonierung und Aktivkohlefiltern sicherte (siehe Punkt 1.3.) die Versorgung von Halle (Saale) und großer Teile des Saalkreises mit einwandfreiem Trinkwasser entsprechend den gesetzlichen Anforderungen der Trinkwasserverordnung.

Der angelegte Trinkwasserlehrpfad möchte auf anschauliche Weise das Gewinnen, Fördern und Aufbereiten von Trinkwasser näherbringen. Denn beim Aufdrehen des Wasserhahnes wird selten ein Gedanke daran verschwendet, welcher technische Aufwand notwendig ist, damit das kühle Nass ständig aus der Leitung sprudelt.

Leider wird der Lehrpfad immer wieder von Vandalen heimgesucht. An dieser Stelle kann deshalb nicht auf den aktuellen Zustand eingegangen werden. Nachfolgende Ausführungen gehen von einem ordentlichen Zustand der Informationstafeln aus.

Empfehlenswert ist es, als Ausgangspunkt für die Besichtigung des Trinkwasserlehrpfades die Schafsbrücke bei Beesen zu nutzen.

Für den Beginn der Wanderung stehen drei weitere Startpunkte zur Auswahl:

- die südliche Elsterbrücke der B 91 bei Ammendorf

- das Gebäude der Vorreinigung des Wasserwerkes an der B 91

- die Dorfstraße in der Ortslage Planena


An allen Startpunkten befindet sich jeweils eine Übersichtstafel, um Ihnen das Orientieren im Gelände zu erleichtern.


Die vierbogige, barocke Schafsbrücke (Tafel Nr. 1) wurde im Jahr 1733 aus Bruchstein errichtet und führte entlang der alten Heerstraße von Magdeburg über Halle nach Merseburg. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts diente sie als Zollbrücke.


Zum Bau dieser Brücke erzählt sich der Volksmund bis in unsere Tage folgende Sage:


Als die Schafsbrücke im Bau war, rissen die Wassergeister voller Unmut über Nacht immer alles wieder ein, was die Bauleute tagsüber geschaffen hatten. Ein vorbeikommender Mönch sprach: "Ihr werdet die Wassergeister nur besänftigen, wenn ihr etwas Lebendiges, am besten ein Kind, als Bauopfer in die Brücke einmauert". Nicht lange danach fuhr an der Brücke ein Wagen mit einer Nonne vor, die ein Kind auf dem Schoß hielt. Die Nonne übergab das Kind den Bauleuten und verließ eilig den Ort. Die Männer setzten das Kind in eine Brückennische und mauerten diese zu, während das Kind herzzerreißend weinte. Die Brücke wurde fortan von den Wassergeistern nicht mehr zerstört. Die Mutter des Kindes fand jedoch nach ihrem Tod keine Ruhe und soll noch heute in jeder Nacht zur Geisterstunde an der Schafsbrücke ihr Unwesen treiben.

Gut 300 m hinter der Schafsbrücke erreichen Sie einen kaum spürbaren Geländeanstieg, der nur mit scharfer Beobachtungsgabe wahrgenommen wird. Es ist schwerlich zu glauben, dass dieser unscheinbare Hügel nicht vom Hochwasser überflutet wird.

Diese Besonderheit spielt auch in nachfolgender Sage eine Rolle:


Ein verträumter Knabe aus Beesen hütete in der Aue eine Herde Ziegen. An einem schwülen Sommertag wurde der Junge von einem plötzlich beginnenden Platzregen überrascht. In großer Eile trieb er seine Herde unter einen hohen Baum. Aber der Baum bot bald keinen Schutz mehr vor dem Gewitterguss. Ein Ende der Wassermassen war nicht abzusehen. Bald trat die Elster über die Ufer und überschwemmte das Land. Der Hirte rettete sich und seine Ziegen auf einen nahen Hügel. Beherzte Männer hörten den Hilferuf seines Hirtenhorns, warfen sich in ihre Kähne und retteten den Knaben samt Ziegen. Seit dieser glücklichen Rettung trägt der unscheinbare Hügel den Namen Ziegenberg.

Nach weiteren 150 Metern rückt auf der rechten Seite des Weges eine bewachsene Böschung ins Blickfeld. Sie ist Teil eines Bauwerkes der Trinkwassergewinnung und gehört zu einem Infiltrationsbecken. Über den Aufbau und die Funktion eines solchen Beckens informiert die Anschauungstafel (Tafel Nr. 2). Zirka 30 m hinter dieser Tafel überqueren Sie eine Heberleitung. Die unterirdisch verlaufenden Rohre sind Bestandteil eines Leitungssystems, in welchem das in den Brunnen gewonnene Wasser mittels Vakuum zum Wasserwerk Beesen gefördert wird.
Rund einen Kilometer nach dem Start an der Schafsbrücke erreichen Sie den Schießhausteich (Tafel Nr. 7), der auch unter dem Namen Erdenloch bekannt ist. Südlich dieses Gewässers entstand Anfang des 19. Jahrhunderts eine ganze Hofanlage, zu der das Schießhaus gehörte. Das Schießhaus war ein beliebtes Ausflugslokal und Treffpunkt der Ammendorfer Schützen, die hier ihre Schützenfeste abhielten. Im Jahre 1961 wurde der gesamte Gebäudekomplex einschließlich Schießstand abgerissen, um eine Beeinträchtigung der Grundwasserqualität zu vermeiden.

Es wird nun bald ein Wegekreuz erreicht. Hier gibt es die Möglichkeit, weiter geradeaus bis zur Vorreinigung zu wandern, den Weg in östliche Richtung zur Elsterbrücke bei Ammendorf einzuschlagen oder die Wanderung in südwestliche Richtung nach Planena fortzusetzen. Bis zum Gebäude der Vorreinigung sind es vom Wegekreuz gut 900 Meter. Den im ersten Abschnitt von alten Obstbäumen gesäumten Weg begleitet auf der linken Seite die Böschung von zwei weiteren Infiltrationsbecken. Auf der rechten Seite ist eine Brunnengalerie zu sehen, mit deren Hilfe das Wasser aus dem Untergrund gefördert wird (Tafel Nr. 3).

In der Vorreinigung wird das bei Meuschau aus der Saale entnommene Wasser von Schweb- und Trübstoffen sowie organischen Wasserinhaltsstoffen mittels Schwebefilter befreit. Das so vorgereinigte Wasser versickert über die Infiltrationsbecken in den Untergrund und reichert so das vorhandene Grundwasser künstlich an (Tafel Nr. 5).

Die Wanderung geht nun zurück zum Wegekreuz. Von hier schlägt man am besten den Weg in südwestliche Richtung nach Planena ein. Rund 50 Meter hinter dem Wegekreuz befindet sich auf der rechten Seite eine von 80 Grundwassermessstellen. Mit Hilfe solcher Messstellen werden der Grundwasserstand in der Aue und die wichtigsten Qualitätsparameter des Grundwassers überwacht. Die Daten werden täglich mittels Funk vom Wasserwerk abgerufen (Tafel Nr. 4).

Nach weiteren 380 Metern Fußweg wird eine kleine Senke, die sogenannte Furt erreicht. Diese wurde als Durchfahrt durch die Gerwische künstlich geschaffen. Schon bei geringer Wasserführung kann diese Stelle nur über den angelegten Steg trockenen Fußes passiert werden (Tafel Nr. 8).

Auf dem nun folgenden Wegstück sind zwei bereits bekannte Anlagen der Trinkwassergewinnung zu finden, eine Brunnengalerie sowie ein weiteres Infiltrationsbecken. Rund 400 Meter hinter der Gerwische führt der Weg an einem der sogenannten Kolke ("Blaues Loch") vorbei. Kolke sind Tümpel oder kleine Seen, die durch den Abbau von Auelehm entstanden sind (Tafel Nr. 9). Der Auelehm wurde in der nahegelegenen Ziegelei verarbeitet. Der Wasserstand in den Kolken ist vom Grundwasserstand abhängig. Eine Anschauungstafel (Nr. 10) weist auf die Entstehung und Bedeutung der Gewässer für die Auenlandschaft hin.

Nun rücken bereits die Häuser von Planena ins Blickfeld. Bis dahin sind es noch 350 Meter. Die Ursprünge von Planena reichen bis in die Zeit der Slawen zurück. Darauf deutet der erhaltene Dorfgrundriss als sogenannter slawischer Rundling hin. Erstmals erwähnt wird das Dorf im Jahre 1184 mit dem Namen "Blonene". Die heute noch vorhandenen Hofanlagen wurden größtenteils im 18./19. Jahrhundert erbaut.

Die Wanderung führt nun zurück zum Wegekreuz. Wenn man vom Wegekreuz in östliche Richtung wandert, erreicht man nach zirka 850 Metern die Brücke über die Stille Elster bei Ammendorf. In dem Gebiet zwischen der Weißen und der Stillen Elster, das auch unter Naturschutz gestellt ist, befinden sich die Reste des einstigen flächendeckenden Auwaldes. Auwälder zählen heute zu den stark gefährdeten Lebensräumen. Besonders die landwirtschaftliche Urbarmachung, der Flussausbau und der damit verbundene Eingriff in die natürliche Überflutungsdynamik haben zum Rückgang dieses artenreichen Biotoptyps geführt.

Zum Auwald gehören:


- die bereits bei Mittelwasser überflutete, flussnahe Weichholzaue und

- die erst bei Hochwasser überflutete Hartholzaue.

In der Strauch- und Baumschicht der Weichholzaue dominieren Weidenarten, in der Hartholzaue sind es vor allem Eschen, Ulmen, Hainbuchen und Stieleichen. Durch die regelmäßigen Überschwemmungen werden dem Auenboden ständig neue Nährstoffe zugeführt. Der sehr fruchtbare Auenboden bietet zahlreichen seltenen Pflanzen und Tieren eine ideale Lebensgrundlage.

Den Trinkwasserlehrpfad kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden.


Günstig ist eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad. Mit der Straßenbahn fahren Sie entweder


- bis zur Endhaltestelle Beesen mit den Linien 1 oder 2

- bis zur Haltestelle Florian-Geyer-Platz in Ammendorf mit der Linie 5


Eine Anreise mit dem Auto ist nicht zu empfehlen, da sich rund um die Elsteraue nur wenige Parkmöglichkeiten bieten. Wer dennoch mit dem Auto fahren möchte, kann dieses auf dem Parkplatz an der Endhaltestelle der Straßenbahn in Beesen abstellen. Von dort sind es gut 800 m bis zur Schafsbrücke.

Hinweis: Der Trinkwasserlehrpfad befindet sich in einem Trinkwasserschutzgebiet. Bitte verlassen Sie nicht die Wege und betreten Sie nicht die technischen Anlagen zur Trinkwassergewinnung.


Erfassungsmaßstab: 1:10.000

 



letzte Änderung: 01.12.2010

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